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Die Geschichte unseres Gebietes reicht weit in die Vergangenheit zurück. Verschiedene Funde beweisen, dass schon die Menschen der Steinzeit hier lebten.
Auch die Römer haben ihre Spuren hinterlassen. Unser Gebiet gehörte zur römischen Provinz „Pannonia“. Spuren eines Verkehrsweges treten noch heute zwischen Neudörfl und Bad Sauerbrunn zutage. Die ruhelose Zeit und die folgenden Hunnenstürme haben das römische Leben in unserem Raum vernichtet und die Ansiedlungen zerstört.
Es dauerte dann lange bis die Menschen wieder sesshaft wurden. Den Grundstock unserer Bevölkerung bildeten die Beamten und Kolonisten Karl des Großen (um 791).
Die Magyaren, die um das Jahr 1000 n. Chr. ihre Grenze bis zur Leitha ausdehnten, ließen die deutschen Ansiedler als höheres Kulturelement unbehelligt. Um diese Zeit entstand auch die erste Ansiedlung Neudörfls, deren Name in alten Urkunden enthalten ist und „Röjtökör“ genannt wird.
Neudörfl war Grenzort – und das bis in die jüngste Zeit. Unsere Vorfahren waren sicher Zeugen der Schlacht auf dem Feld zwischen Neudörfl und der Wiener Neustädter Akademiemauer, wo der letzte Babenberger Friedrich der Streitbare im Jahre 1246 n. Chr. starb. In dieser Schlacht kämpfte auch der damalige Besitzer Neudörfls, ein gewisser Simon von Aragonien, der im Jahre 1223 n. Chr. von König Andreas das Dorf erhielt. Die Siedlung, die damals schon das Mautrecht besaß, blieb bis zum Erlöschen des Stammes der Simons in deren Besitz. Danach ging sie in die Hand der Grafen von Forchtenstein über.
Auch Matthias Corvinus und Friedrich IV. von Österreich waren zeitweise Besitzer von Neudörfl. In diesen 300 Jahren bis zur Gründung des jetzigen Ortes gibt es fast keine Aufzeichnungen. Bekannt ist nur, dass die Siedlung Warth auf dem Warthberg bestanden hat. Die Bewohner und ihre Nachfahren, die sogenannten Warther, hausten in den Wäldern der Grundherrn, zuerst der Mattersdorfer Grafen, später der Esterházy. Von dieser Siedlung nimmt die spätere Gründung Neudörfls ihren Ausgang.
In der Umgebung des Sauerbrunnens lagen hie und da zerstreut einzelne Strohhütten und Holzhäuser, in denen die erwähnten Nachkommen der magyarischen Grenzwächter, Warther genannt, hausten. Da die Leitha der Grenzfluss war, gab es so manche Dinge hin und her zu befördern, oft auch auf illegalem Weg. Der Tabakschmuggel war damals an der Grenze gang und gebe. Man erzählt sogar, dass manche auch Straßenräubern Unterschlupf gewährten.
Um nun diesen Warthern einen besseren Erwerb zu sichern und sie an ein sesshaftes Leben zu gewöhnen, beschloss der damalige Grundherr Graf Ladislaus Esterházy die Leute an der Ebene der Leitha anzusiedeln. Aber nicht nur den Warthern wollte er helfen, auch eigene Ziele schwebten ihm vor Augen. Lange schon wollte er einen eigenen Marktplatz an der Grenze, wo seine Produkte durchlaufen sollten. Mit der neuen Siedlung an der Leitha wollte er dies erreichen. Er veranlasste die Bewohner der alten Siedlung am Warthberg, ihre Hütten zu zerstören und versprach ihnen dafür neue Hausplätze und Wohnungen. Für die Bedürfnisse des neuen Ortes sollte auch eine Mühle sorgen die zugleich als Auslieferungsplatz der gräflichen Produkte diente. 1641 wurde die Mühle an der „Leytha“ und die Bauernhäuser ausgesteckt. Dem neue Ort wurde in Anlehnung an die Nikolauskapelle der Name „St. Nikolaus an der Leytha“ gegeben.

Die älteste Darstellung der Leitha-Mühle (1690)
Sogleich stellte sich der Wiener Neustädter Magistrat mit einer Beschwerde ein. Den Stadtbewohnern war es gar nicht recht, dass am Grenzfluss ein neuer Ort entstand. Der Protest hatte kaum Folgen, denn schon im nächsten Jahr wurden die Leithamühle und die Bauernhäuser vollendet. 1644 folgte wieder eine Klage gegen die Erbauung von Mühle und Dorf. Man bat schließlich die Regierung sich dafür zu verwenden, dass alles zerstört werde.
Nach dem Tod des Gründers von Neudörfl, Ladislaus Esterházy, betrieb sein Nachfolger Paul Esterházy die Ansiedlung noch unerschrockener. Er umgab die Mühle angesichts der immer heftiger werdenden Streitigkeiten mit einer starken Mauer, die zum Teil noch heute sichtbar ist. Sein Wappen schmückt noch immer den Torbogen des Hofeinganges der Leithamühle, dem heutigen Caritasheim der Erzdiözese Wien.
Inzwischen ging die rege Bautätigkeit in Neudörfl immer weiter, ungeachtet der Einsprüche und Vorwürfe der Neustädter. Auch das „Dreißigstamt“, das heutige Meiereigebäude, wo die Waren verzollt wurden, entstand um diese Zeit. Es kam zu einer neuerliche Klage Neustadts gegen den angeblich feindlich eingestellten Ort. Nach einer strengen Untersuchung kam ein Wiener Neustädter Ingenieur zum Schluss ....dass das ganze Bauwerk gefahrdrohend ist, und so bitten die Neustädter um vollständige Zerstörung.
Trotzdem wuchs das Dorf von Tag zu Tag. Dem Grundherrn gelang es, weitere Kommissionen fernzuhalten. Die ungarische Regierung ließ den Wiener Neustädtern ausrichten, dass sie das Bauwerk für eine harmlose Sache halte.
Die Wogen glätteten sich auch weiterhin nicht. Der Bürgermeister von Wiener Neustadt forderte erneut die Zerstörung. Auch der Bischof von Wiener Neustadt erhob gegen das „neue Dörfl“ sein Wort.
Um diese Zeit, etwa 1650 waren in Neudörfl schon 50 Häuser fertig. Erst mit dem neuen Grundherrn Paul Esterházy wird der Sturm endlich stiller.
Ein Hofdekret aus dem Jahre 1653 befiehlt, dass alles bleibe, von neuen Bauten aber Abstand genommen werden solle.
Die neue Siedlung begann sich nun ungestört zu entwickeln. Neudörfls Aufschwung war nach dem Jahr 1653 ein gewaltiger. 1669 wurde eine Pfarrkirche gebaut. Bis zum Jahr 1675 waren bereits 30 Bauern- und 81 Söllnerhäuser gebaut, samt Mühle, der Schmiede, zwei Halterhäuschen, der Schule, dem Pfarrhof und der Kirche, zusammen 117 Gebäude.
In den verschiedenen Klagen und Bittschriften wird der Ort immer „neues Dörfl“ genannt. Diese Bezeichnung wurde vom Volksmund aufgenommen und verdrängte mit der Zeit den offiziellen Gründungsnamen „St. Nikolaus an der Leitha“.
Nach der Abtretung des Burgenlands von Ungarn an Österreich im Jahre 1921 und den Wirren der beiden Weltkriege, die sowohl Verluste an Menschen sowie an Sachwerten mit sich brachten, entwickelte sich Neudörfl zu einem Lebensraum in dem Industrie und Fremdenverkehr ihre Daseinsberechtigung haben.
Heute hat sich die Marktgemeinde Neudörfl, mit seinen 4000 Einwohnern, wegen seiner vielen Heurigenschenken oft liebevoll
„Grinzing von Wr. Neustadt genannt“, durch seine ideale Lage und Verkehrsanbindungen mehr und mehr als attraktiver Wirtschaftsstandort profiliert.
Die alte Volks- und jetzige Hauptschule die im Schuljahr
1959/60 mit 134
Schülern und 4 Lehrern den Unterrichtsbetrieb aufnahm.